In der Kassenschlange

Wohl jeder kennt sie und wahrscheinlich hasst sie auch jeder mit voller Inbrunst. Die Schlange an der Supermarktkasse. Ein weit verbreitetes, oft beobachtetes und so gut wie immer am eigenen Leib erfahrenes Phänomen ist die Tatsache, dass man grundsätzlich immer die langsamste Schlange erwischt. Wie viele Kassen geöffnet sind spielt bei der Auswahl keine Rolle. Auch die Anzahl der bereits wartenden Kunden in der Schlange vor der Kasse ist kein Indiz für die Schnelligkeit der Abfertigung an der jeweiligen Kasse. Ganz egal nach welchen Kriterien man sich die Schlange an der Kasse aussucht; man erwischt immer die langsamste.

Man steht also in der Schlange und beobachtet argwöhnisch die Schlangen rechts und links neben einem. Soweit die Sichtverhältnisse stimmen, behält man natürlich auch noch die weiteren Schlangen an den anderen Kassen im Auge. Nach einiger Zeit stellt man fest, dass man immer noch auf demselben Platz steht wie schon vor drei oder vier Minuten. Dreht man den Kopf etwas zur Seite, muss man entsetzt feststellen, dass die Leute in den anderen Schlangen nahezu mit Lichtgeschwindigkeit an der Schlange vorbei ziehen in der man selbst steht. Man möchte sich am liebsten eine seiner Rollmatratzen hernehmen, sie auf den Boden legen und sich erstmal schlafen legen.

Man kann sich von den Umstehenden ja rechtzeitig wecken lassen, wenn es wieder ein paar Zentimeter nach vorne weiter geht. Vielleicht hat man aber auch Glück und einige der Leidensgenossen in der Schlange sind von der etwas humaneren Sorte. Diese Leute lassen einen dann schlafen und tragen stattdessen die ganze Matratze nebst friedlich schlummerndem Kunden ganz einfach das kleine Stückchen nach vorne, um das es weitergeht. Allerdings sind solch freundliche Menschen eher selten anzutreffen. In der Realität muss man dagegen meistens aufpassen, dass man nicht nach hinten durchgereicht wird.

Ansonsten kann es sein, dass man aufwacht und plötzlich nicht mehr in die vom langen Warten in der Schlange an der Kasse schon bekannten und liebgewonnen Gesichter blickt, sondern sich plötzlich unter gänzlich unbekannten Menschen wiederfindet. Nachdem sich die erste, in diesem Moment durchaus verständliche, Verwirrung gelegt hat, wird einem klar, dass man sich sehr wohl noch in seiner Schlange befindet. Ein Blick auf die Uhr verrät aber schnell, dass man länger geschlafen hat als gut gewesen wäre. Die Sympathie, die man den netten Menschen, die mit einem in der Schlage gewartet haben entgegen gebracht hat verwandelt sich langsam aber sicher in Antipathie. Denn es wird klar, dass man skrupellos durchgereicht wurde und nun sogar weiter hinten in der Schlange steht, als vor dem Einschlafen.