Luxuswohnungen und die Krise
Die Krise ist überall zu spüren, so meint man. Doch nicht immer ist dies der Fall, denn gerade im Bereich der Immobilien hat sich eine Sparte aufgetan, die mit zweistelligen Zuwachsraten pro Jahr punkten kann. Es handelt sich dabei um Luxuswohnungen in exklusiven Stadtvierteln. So gibt es solche Wohnungen in Hamburg oder München, aber auch in anderen Großstädten. Quadratmeterpreise zwischen 10.000 und 15.000 Euro für den Rohbau zuzüglich der Kosten für den Innenausbau sind hier eher die Regel, als die Ausnahme. Obwohl diese Wohnungen gerade noch gebaut werden, ist schon ein Großteil von ihnen verkauft. Dabei ist der offizielle Verkaufsstart solcher Luxusobjekte erst in einigen Monaten vorgesehen. Hier zeigt sich, dass die Krise längst nicht alle Branchen trifft. Während die Abwrackprämie ebenfalls erste Wirkungen zeigt, und einige Hersteller damit rechnen, dass im März keine Kurzarbeit mehr anfallen wird, setzt die Immobilienbranche auf enorm teure Luxusobjekte.
Bisher fanden es die Menschen nicht chic, eine Eigentumswohnung zu kaufen. Sie mieteten lieber teure und großräumige Lofts an, für die horrende Mieten fällig wurden. Mittlerweile hat man sich jedoch darauf besonnen, dass das Eigenheim, wenn vielleicht auch in Form einer solchen Luxuswohnung, die bessere Variante ist, spart man langfristig deutlich ein. Natürlich reicht die einfache Bezeichnung der Wohnungen als Luxusobjekte nicht aus, es muss sich auch um solche handeln. So müssen sich die Bauträger, die derartige Objekte in Angriff nehmen, zunächst einmal informieren, wo die High Society leben will. Das jeweilige Viertel der Stadt ist schnell ausgemacht, ein noch freies Grundstück zu finden, wird da schon deutlich schwieriger. Hat man diese Hürde genommen, der Bauantrag ist genehmigt, dann steht dem Bau nichts mehr im Wege.
Meist werden diese Luxusobjekte von hoch dotierten Designern und Architekten entworfen. Für die gesamten Gebäude gilt, dass sie klassisch chic bis modern sein sollten, wichtig ist aber vor allem die Abgrenzung zu den anderen Gebäuden der Umgegend. Die Luxusobjekte müssen auch luxuriös auftreten, bereits von außen soll man feststellen, dass es sich hier um ein besonderes Gebäude handelt. Mit einfachen und kleinen Wohnungen wird man sich zudem nicht zufrieden geben. Vielmehr sollten allesamt über mindestens zwei Etagen gehen, so genannte Maisonette-Wohnungen sind immer stärker im Kommen. Die einzelnen Räume müssen großzügig geplant sein und die Nähe zum Nachbarn darf nicht zu gering sein. Dicke Wände und eine möglichst geringe Geräuschempfindlichkeit sind hier angesagt.
Der Rohbau alleine reicht jedoch nicht aus. Für den Innenausbau werden Innenarchitekten und Designer erster Güte beschäftigt. So kann der Käufer frei entscheiden, wie luxuriös die Inneneinrichtung sein soll. Die Auswahl reicht von goldenen Wasserhähnen, hochwertigstem Parkett über modernste Einbauküchen bis hin zum Wasserbett oder dem im Bad integrierten Whirlpool. Bei den Tapeten kann man sich für Stofftapeten entscheiden, in die feinste Fäden eingezogen werden oder ähnliches. Die Qual der Wahl hat letztlich der Käufer, doch mit dem richtigen Architekten an der Seite sollte man seine Traumwohnung nicht nur auf dem Papier entwerfen können, sondern diese schon bald in Wirklichkeit beziehen.
Bis die Luxuswohnungen jedoch vollständig fertig gebaut sind, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Gerade die Arbeiten im Innenbereich sind hier besonders langwierig, da die Bauträger jede Wohnung nach dem Wunsch der einzelnen Käufer einrichten. Das heißt, es muss für jede Wohnung ein ganz individuelles Konzept her, welches in jedem Fall umgesetzt werden muss. Dafür sind oftmals Fliesen, Stoffe, Tapeten, Parkett und Teppiche aus fernen Ländern zu bestellen, sodass schon die Lieferzeiten sehr lange andauern werden. Danach muss die Ausführung der Arbeiten erfolgen, vielleicht sollen in dem einen oder anderen Zimmer noch ein Sockel eingearbeitet werden oder der künftige Wohnungseigentümer wünscht einen Kamin im Wohnzimmer. Dann sind hier natürlich, je nach Kamin, einige weitere Arbeiten durchzuführen.
